Echtes Leben // real life

Skeleton Coast Park

Skeleton Coast National Park

Der Name alleine genügt doch schon um anziehend auf jeden zu wirken der ein Abenteuer sucht. Wenn man dann noch das einmalige Postkartenmotiv des malmenden Atlantiks wie er auf die unbarmherzige Kalahari trifft kennt dann gibt es nur eine Möglichkeit: Viel Wasser einpacken, einen 4 WD mieten und dahin fahren.

Wir erreichen den Park von Norden aus, das war irgendwie unspektakulär und wie wir so vor uns hin fahren in der flimmernden Hitze wird langsam alles unwirklich um uns herum. Einen Teil des Park nennt man auch Mondlandschaft und wenn man dort ist weiß man auch warum, es gibt einfach gar nichts. Nichts. Graue Steine, grauer Boden, grauer Himmel. Die lange Sandstraße der wir folgen sieht aus wie das Tor zur Hölle, ich übertreibe nicht wenn ich sage dass wir Gedanken an Horrorfilme hatten und gleichzeitig wahnsinnig fasziniert zusahen wie sich vor uns, aus Richtung des Atlantiks eine riesige graue Wolkenbank aufbaute. Die kalte Luft trifft auf die heiße Luft aus der Wüste – das ist wie Himmelsarmageddon. Plötzlich wird es kälter, windiger, der blaue Himmel der uns tagelang begleitet hat ist weg, um uns herum ist einfach alles grau. Ich kann verstehen warum Seefahrer diese Flecken früher Hell´s Sand genannt haben. Es gibt nichts Schönes, sanftes hier. Hier kann so gut wie nichts leben, kein Wasser, so gut wie keine Vegetation nur verwehter Sand und glatte Steine.

Es gibt 2 Möglichkeiten halbwegs akzeptable im Skeleton Coast National Park zu campen. Akzeptabel heisst hierbei, es gibt Plumsklos und ein Häuschen mit Duschen gegen extra Gebühr. Wir steuern Torra Bay an und wissen plötzlich warum wir kaum einen Namibier kennen der dort schon einmal war. Es ist der trostloseste Ort auf Erden.

Wir sitzen im Auto und wissen gar nicht ob wir aussteigen sollen, de facto schaffen wir den Weg nicht aus dem Park hinaus, wir müssen hierbleiben. Alles andere wäre noch schlimmer – dann hieße es nämlich an einem Fischer-Spot im Auto schlafen.

im Hintergrund kann man die idyllisch am Meer gelegenen Toiletten erkennen.

Apropos Fischer, Shore Fishing is big in Namibia! Leute kommen aus dem ganzen südlichen Afrika für Wochen hierher und bauen sich Zeltstädte aus, die Männer gehen den ganzen Tag angeln und bringen riesige Fische nach Hause – wir hingegen habe keine Zeltstadt. Ich habe Probleme die Autotür zu öffnen weil der Wind unbeschreiblich stark alles einfach wegdrückt. Es ist kalt. Und nass. Und windig. Und alles ist grau – willkommen to Skeleton Coast. Die Plumpsklos versprechen etwas Schutz, dafür kann man dort nicht atmen.

Die Steine begrenzen jeweils einen der charmanten Campsites. Mühleimer gibt es. Und sonst nichts.

Wir essen direkt aus dem Kühlschrank und versuchen ein Bier zu trinken was aber innerhalb von Minuten am Sand scheitert – dann sitzen wir eine Weile im Auto. Uns ist so kalt, dass wir auch wenig Lust haben wohin zu laufen, es gäbe auch eigentlich nichts zu sehen ehrlich gesagt.

Ein Feuer ist ohne Schutz undenkbar, ich habe sogar Angst, dass unser Roof Top Tent wegfliegt und fixiere alles so gut es geht mit Tape und sage mir immer wieder, dass all die erfahrenen Fishermen um uns herum wohl schon was sagen würden wenn wir uns versuchen umzubringen. Mit einem Zelt.

Dann treffen wir das was man wohl eine Gruppe lebensmüder Backpacker nennt. Backpacker sind prinzipiell falsch in Namibia. Es gibt 3 Hostels im ganzen Land, so gut wie keinen Public Transport und ohne Geld ist man einfach am Arsch. Schlimmer noch: Mit einem kleinen PKW in den Skelleton Coast Park fahren. Namibia ist Flashpacker-Land. Oder Edel-Tourismus Land. Wir treffen also diese Argentiniert die nicht mal genug Sprit haben um zur regulären nächsten Ortschaft zu kommen. Außerdem sind sie in einem winzigen Toyota unterwegs und hatten eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 60 km/h eingeplant. Ich kann nur trocken lachen. Sie tun mir ein bisschen leid, wie sie da mit ihrem Kinderzelt hocken und dem Lonely Planet Southern Africa in dem die Namibia Karte so groß ist wie meine Handfläche, sie planen ein Gate im Etosha Park anzufahren wo sie nicht reinkommen weil es gesperrt ist (was man wüsste hätte man sich informiert) und essen instant Suppe. Das Mädel meint „yeah, we are hippies!“ Ich denke nein, ihr seid lebensmüde. Die Wüste ist kein Spaß. Ohne Planung ist man aufgeschmissen.

Naja gegen 19 Uhr beschließen wir jedenfalls den Tag und begeben uns in unser sehr wackelndes Zelt wo ich schnell noch ein Bier trinke und Oshi ein paar Seiten vorlese. So zur Unterhaltung.

Am morgen bin ich ziemlich froh, dass wir die Nacht überstanden haben. Ich friere und alles klebt, der Nebel vom Meer macht alles klamm und das Salz klebt überall. Ach ja, der Wind weht dann auch noch schön Sand drauf!

Da wir die Zeche geprellt haben an diesem schönen Ort trauen wir uns auch nicht zu den Duschen die auch eh extra kosten würde, wir fahren also einfach los und bald umfängt uns die Wüste wieder mit dem heißen Wind den wir so vermisst haben.

Zu sehen gibt es neben der absoluten Einsamkeit und diversen Fischer-Spots auch noch Schiffswracks und eine alte Oil Drilling Station. Die Wüste holt sich alles zurück. Und das ziemlich schnell. Die Drilling Station wurde zum Beispiel erst vor 15 Jahren oder so verlassen.

Aus dem Reisetagebuch:

6. Januar. Heute dann die Fahrt nach Torra Bay. Ich weiß nicht mal ob wir hier Wasser zum kochen bekommen. Es ist sehr windig. Und natürlich sandig. I hope I don´t get sunburned too much. Um uns rum sind nur Fischer und ich fühle mich deplatziert. Auf der anderen Seite sollte das ja die Suche sein, nach mir, nach allem. Wo kann man also besser suchen als in der Wüste? Ich bin schon weg und will gerade noch mehr weg.

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